100% Zoll auf chinesische Autos – der Handelskonflikt zwischen den USA und China eskaliert. Was bedeutet das für deutsche Unternehmen? In unserem neuen Video beleuchten wir die Gründe für die neuen US-Zölle auf chinesische Elektroautos und die potenziellen Auswirkungen auf den europäischen und deutschen Markt.

Unter dem Video gibt es ein schriftliches Transkript, für Menschen, die lieber lesen!

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Ab August 2024 wollen die USA die Importzölle für chinesische Autos auf knallharte 100% anheben. Damit eskalieren die Vereinigten Staaten den Handelskrieg mit China.

Von der EU erwarten die USA entschlossenen Beistand im Kampf gegen unfaire Handelspraktiken. D.h. auch die EU soll protektionistischer gegen China vorgehen und höhere Zölle festsetzen.

Wird das jetzt für Deutschland zum Problem?

100% Zoll auf den Import chinesischer Fahrzeuge in die USA? Da wird sofort klar, dass die vereinigten Staaten als Absatzmarkt für China ziemlich unattraktiv werden. China hat bereits Vergeltungsmaßnahmen angedroht, aber noch nicht bekannt gegeben, welche das sein werden.

Welche Folgen hat das für die Märkte in anderen Ländern?

Generell ist zu befürchten, dass Chinas Automarken sich stärker auf Europa konzentrieren. D.h. dass noch mehr chinesische „Billigautos“ auf den europäischen Markt gedrängt werden sollen.

Es gibt aber auch Folgen, die weit darüber hinausgehen. Es geht nicht nur darum, wo was verkauft werden darf. Es geht auch um die Produktion.

In den nächsten Jahren wird die Produktion von Autos weltweit stärker fragmentiert werden.

China hat zum Beispiel angefangen, Fahrzeuge in Mexiko und Brasilien zu produzieren. Damit wird dann der Strafzoll umgangen, indem ein chinesisches Modell nicht von China sondern von Mexiko nach USA importiert wird.

Ebenso müssen deutsche Autobauer Ihre bisherige Produktionsstrategie in Frage stellen und stärker diversifizieren.

Das bring mich zur nächsten Frage: Welche Probleme bringt der amerikanische Protektionismus für deutsche Autobauer?

Die Antwort wird viele überraschen: im ersten Schritt ist das für deutsche Autobauer gar nicht so schlecht. Wenn weniger chinesische Autos in den amerikanischen Markt kommen, wird der Kuchen in den USA für andere Anbieter größer. Man muss aber ehrlicherweise dazusagen, dass der Marktanteil für China in den USA ohnehin nicht besonders groß ist.

Ein bisschen sind diese 100% Strafzoll auch ein Sturm im Wasserglas, wohl am ehesten dafür gedacht, Schlagzeilen zu produzieren und Biden für den amerikanischen Wahlkampf gut aufzustellen.

Und wie sieht es im deutschen Markt mit der chinesischen Konkurrenz aus?

In Deutschland bieten chinesische Hersteller eher billige Autos an, während die deutschen Hersteller am liebsten teure Fahrzeuge verkaufen. D.h. wenn China jetzt seinen Absatz an billigen Autos in Deutschland und Europa erhöhen will, ist das der deutschen Industrie vielleicht sogar ein bisschen wurscht.

Ganz anders sieht es aber im Rest Europas aus.

Das ist richtig. Die wichtige französische Industrie produziert eher preiswerte Modelle. Da wird jede Zunahme chinesischer Importe zum Existenzrisiko. Frankreich ist als mit den USA viel eher auf einer Linie als Deutschland.

In der EU wird zurzeit tatsächlich über Strafzölle für chinesische ElektroAutos verhandelt. Frankreich ist klar dafür, Deutschland argumentiert eher beschwichtigend.

Die deutsche Industrie meidet Konflikte mit China wie der Teufel das Weihwasser. Und das, obwohl die unfairen Handelspraktiken Chinas ja auch die deutschen Firmen benachteiligen. Woran liegt das?

Ebenso wie wir uns – wider besseres Wissen – stark von russischer Energie abhängig gemacht haben, hat sich die deutsche Industrie stark von China abhängig gemacht. Wie in vielen Bereichen fehlt uns hier die Agilität. Strukturen, die wir aufgebaut haben, geben wir ungern auf, und das bringt uns jetzt in die Zwickmühle.

Dabei geht es nicht nur um Absatzmärkte, also Import und Export, sondern auch um die Produktionsstandorte deutscher Firmen.

Zwei Beispiele:

  • 50% der E-Autos, die aus China importiert werden, sind – man glaubt es kaum – Importe westlicher Marken. Wir produzieren Fahrzeuge in China und importieren sie in die EU. Mit neuen Strafzöllen auf Chinaimporte schneiden wir uns ins eigene Fleisch.
  • Gleichzeitig werden 30% der Fahrzeuge, die von deutschen Herstellern produziert werden, nach China verkauft. Erhöhen wir unsere Zölle, sind Gegenmaßnahmen von China die logische Folge. Wenn man weiß, dass das dann 30% der deutschen Fahrzeugproduktion betrifft, versteht man die Zurückhaltung Deutschlands.

Wenn wir China ärgern, sind nicht nur Importe und Exporte betroffen, es könnte auch Nachteile für unsere Produktionsstandorte in China bringen.

Der französische Präsident Macron ist zurzeit in Deutschland. Im April hat er ein „Ende der Naivität“ in den Handelsbeziehungen mit Asien und USA gefordert.

Er wird mit Scholz sicher auch über die Handelspolitik der EU und den Schutz der europäischen Industrie sprechen.

Zwischen Scholz und Macron gibt es viele Meinungsverschiedenheiten. Der aktuelle Besuch von Macron wird daran wenig ändern. Macron wünscht sich ein stärkeres und selbständigeres Europa. Scholz bäckt lieber kleinere Brötchen und bleibt unauffällig – auch gerade gegenüber China.

Im Hinblick auf die 100% Zoll-Entscheidung der USA ist es jetzt erst mal spannend zu sehen, mit welchen konkreten Vergeltungsmaßnahmen China beschließen wird.

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