Schiffe im Suez KanalDurch ein am Mittwoch 24. März auf Grund gelaufenes Frachtschiff ist der Suez Kanal aktuell komplett unpassierbar. Das Schiff “Ever Given” war auf dem Weg von China nach Rotterdam als es auf Grund lief und sich im Kanal querstellte.

Der Suezkanal verbindet Port Said am Mittelmeer mit dem Hafen von Suez am Roten Meer und stellt eine direkte Route für den Transport von Waren zwischen Europa und Asien dar.

Der Kanal ist 163 Kilometer lang und an der engsten Stelle 300 Meter breit.  Das gestrandete Schiff “Ever Given” ist mit einer Länge von 400 Metern (und einer Breite von 59 Metern) länger als der Kanal breit ist und versperrt den Suez Kanal dadurch jetzt auf ganzer Breite.

Auf beiden Seiten des Kanals stauen sich mittlerweile insgesamt mehr als 160 Schiffe, die Waren und Rohstoffe auf die jeweils andere Seite transportieren müssen.

Auf der Karte von Vesselfinder.com sehen Sie die Situation an beiden Enden des Kanals am 25. März 2021.

Die havarierte “Ever Given” sehen Sie als gelben Punkt an der oberen Spitze des Getümmels am südlichen Ende des Kanals.

Karte Frachtschiff Ever Given steckt im Suez Kanal fest

Wie problematisch dieser Unfall ist, wird deutlich wenn man bedenkt, dass jährlich 12% des gesamten weltweiten Handelsvolumens durch dieses Nadelöhr transportiert werden. So werden pro Tag Güter im Wert von ca. 8 Milliarden Euro durch den Suez Kanal transportiert.

Ein mehrtägiger – oder sogar mehrwöchiger – Ausfall der Route verursacht also enorm hohen Schaden. In vielen Branchen kann es sogar bei kurzfristigen Ausfällen schon zum Produktionsstopp kommen. Falls das Schiff – das wäre der ungünstigste Fall – entladen werden muss, kann die gesamte Bergung tatsächlich mehrere Wochen dauern. Das Fassungsvermögen des Schiffs liegt bei 20.288 Containern!

Aktuell, mit Stand Donnerstagmorgen, ist geplant, rund um das Schiff 20 000 Kubikmeter Sand abzugraben. Damit soll Platz geschaffen werden, damit das Schiff wieder frei im Wasser schwimmen kann.

Neben den unmittelbaren Effekten – wie dem Fehlen von Rohstoffen oder Endprodukten (die jetzt auf beiden Seiten des Kanals auf die Weiterfahrt warten) – kommt es auch zu nachgelagerten Effekten, an die man im ersten Moment gar nicht denkt. Es fehlt zum Beispiel der Nachschub an Containern, die durch pünktlichen Transport der aktuell stillstehenden Schiffe frei geworden wären. Der Dominoeffekt aus diesem Stillstand wird in den globalen Lieferketten über mehrere Monate spürbar sein.

Die einzige alternative Route, die die Frachtschiffe jetzt einschlagen könnten, ist durch die Umfahrung des gesamten afrikanischen Kontinents leider extrem weit. Die Kosten dieser Lieferverzögerung wären dementsprechend hoch.

  • Die Transitzeit von einem Ende des Kanals zum anderen beträgt ca. 14 Stunden.
  • Der Umweg über das Kap der guten Hoffnung dauert dagegen 8 bis 10 Tage.

 

Auf diesem Bild ist der Schiffsverkehr auf dem Suezkanal in Ägypten zu sehen. Das Foto zeigt einen Konvoi von Frachtschiffen, die vom Suezkanal in Ägypten Richtung Norden (unten) in das Mittelmeer einfahren.

Das Bild wurde im Jahr 2006 von einem Astronauten der internationalen Raumstation aufgenommen. Die Station befindet sich hier über der Ostküste Zyperns und die Kamera blickt auf Ägypten im Südwesten. Der etwas ausgeblichene Eindruck des Bildes wird durch eine dünne Wolkendecke verursacht.